Weil wir fast keine Infos zum Thema Autokauf in Zentralasien im Internet finden konnten, dachte ich, ich schreibe mal, wie wir unser Auto in Bischkek gekauft (und später wieder verkauft) haben.
Die meisten Reisenden, die wir auf unserem Roadtrip durch Zentralasien trafen, waren

  • mit dem eigenen Auto von Europa bis hierher gefahren
  • mit dem Rucksack mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • mit Touristen-guides und deren Jeeps
  • mit dem Motorrad, oder
  • mit dem Fahrrad unterwegs

Für uns kam das alles nicht in Frage, weil wir vor dem Trip schon mit dem Rucksack in Südostasien unterwegs gewesen waren. Zudem wollten wir vor allem die Nationalparks und Naturlandschaften genießen, und diese sind mit Öffis nicht so gut zu erreichen. Außerdem wollten wir den Vorteil nutzen, im Auto zu übernachten. So sparten wir Unterkunftskosten und konnten unsere Schlafplätze täglich neu auswählen. In Zentralasien ist das total unkompliziert, man darf ohne Probleme überall das Auto oder Zelt hinstellen, wo man will. Eigenes Auto hat also viele Vorteile.
Nun stellte sich also die Frage, wie man in Zentralasien ein Auto kauft. Eine sehr gute Seite zu diesem Thema ist http://www.caravanistan.com. Es war zum Beispiel unklar, wo man am besten ein Auto bekommt, ob man eine Versicherung braucht, welche Dokumente man braucht usw.. Eins Vorneweg: Es ist wirklich ganz leicht, ein Auto zu kaufen! Wer nur 2-3 Wochen unterwegs ist, kann sich aber überlegen, lieber ein Auto zu mieten. Wenn man aber für mehrere Wochen unterwegs ist, lohnt es sich auf jeden Fall. Hier steht, wie es geht:

WO?
Am Besten geht es in Bishkek (Kirgistan) oder in Almaty (Kasachstan). Hier gibt es große (!) Automärkte mit genügend Auswahl und für jedes Budget.

WANN?
Die Automärkte gibt es ganzjährig jeweils am Wochenende.

WAS?
Lasst euch nicht verunsichern von voll-ausgestatteten Geländewagen mit Allradantrieb! Die Locals fahren mit den ärgsten Schrottkisten über alle Schotterpisten. Allrad ist manchmal sinnvoll, aber es geht auch ohne. Auch Extra-Kanister für Benzin usw. sind wirklich nicht nötig! Die wichtigste Ausstattung ist der eigene Kopf 😉
Wir hatten einen Mitsubishi Space Wagon und haben hinten eine Matratze eingebaut. Kein Allrad. Völlig ausreichend 😉

WIE TEUER?
Die „alten“ Autos werden leider über den Wert gehandelt. D.h. bei uns in Europa eher schrottige Autos werden hier noch recht teuer verkauft, z.B. ab US$ 2000.-
Die „neuen“ Autos dagegen kosten weniger, als bei uns. Wichtig ist, auf jeden Fall hart zu verhandeln!!! Die Leute veranschlagen etwa $500-1000 zu viel und rechnen damit, dass der Preis gedrückt wird. Mit Ausländern wird natürlich besonders hart verhandelt, also lasst euch nicht unterkriegen. Wir haben für unseren Mitsubishi Space Wagon (1996) US$ 2700.- gezahlt (zu teuer!). In drei Monaten mussten wir aber insgesamt 19 Mal in eine Werkstatt, weil immer etwas kaputt ging. Wobei das definitiv Teil des Abenteuers war. Das Gute ist, dass die Reparaturen sehr günstig sind.

WELCHE DOKUMENTE?
Ganz einfach! Ihr sucht das Auto aus und geht zusammen mit dem Vorbesitzer zu einem Notar („Notarius“). Dieser schreibt euch eine Power of attorney („Davernest„) mit der ihr das Auto fahren und weiterverkaufen dürft. Dann gebt ihr das Geld dem Vorbesitzer. Fertig. Notare gibt es auch auf den Automärkten. Seit 2016 braucht man wohl offiziell eine Autoversicherung, aber bisher hat fast niemand von den Locals eine und wir wurden auch nie danach gefragt. Selbes gilt für Kasachstan (wo wir auch keine abgeschlossen hatten). Wir hatten noch unsere Führerscheine ins Russische übersetzen lassen – unnötig!

WOHIN FAHREN?
Mit der Davernest dürft ihr theoretisch überall hinfahren. Wir waren in Kirgistan, Kasachstan und Tajikistan ohne Probleme. Im Gegenteil: Bei der Einreise nach Tajikistan mussten wir nur $10.- „import tax“ zahlen statt $25.- wie ausländische Fahrzeuge aus Europa. Und auch die „eco tax“ für Kirgistan entfiel bei uns. Übernachten im Auto darf man, wie gesagt, überall. Einfach das Auto abstellen und die Aussicht genießen. Echt klasse!

 

UND DER VERKAUF?
Genau gleich wie beim Kaufen: auf einem der großen Automärkte. Wir haben uns von einem Bekannten ein Verkaufsschild auf russisch übersetzen lassen, das hat viel geholfen. Und dann haben wir mit Händen und Füßen verhandelt und am Ende des Tages war das Auto verkauft. Noch kurz zum Notar und schon muss man wieder die Öffis nehmen 😉

Noch Fragen? Schreibt uns jederzeit eine Email, wir freuen uns die Erfahrungen zu teilen.

Viel Spaß mit eurem Auto in Zentralasien!

BONUS: AUSSTATTUNG UND TIPPS
Hinten haben wir eine Matratze eingebaut. Die Matratze war nicht soo leicht zu finden, aber auf dem Markt in Tokmok (nahe Bishkek) werden Schaumstoffmatratzen als Baumaterial verkauft. Diese kann man perfekt zuschneiden. Als Wasserkanister haben wir 5-10 Liter Kanister genommen, die man in den Supermärkten kaufen kann. Einen der 5-Liter Kanister haben wir oben aufgeschnitten und unten eine Armatur eingebaut, sodass wir an unseren Stellplätzen gemütlich die Hände waschen konnten. Wir haben auch Vorhänge aufgehängt, das hat den Gemütlichkeitsfaktor erhöht. Das Essen haben wir in Kisten auf der Matratze transportiert. Abends wurden die Kisten dann nach vorne in den Fahrerbereich gestellt. Wir hatten kleine selbstgebaute Holzklappstühle und ein Brett als Tischchen. Die Kühlsachen haben wir in eine Kühltasche gesteckt und diese tagsüber in die Decke gewickelt, so blieb meistens alles relativ kühl. Praktisch und oft benutzt haben wir auch die Sonnenblende beim Auto abstellen, denn es kann richtig heiß werden.